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Frauen müssen für Teilhabe kämpfen

podium bei der kfd 09 03 2016Podium der kfd in Aachen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: ein Dauerbrenner. Einiges hat sich bewegt, gesetzlich, in der Infrastruktur – aber die großen Mauern bestehen noch in den Köpfen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Aachen weiß darum und wird nicht müde, um Veränderung zu werben. So auch am 9. März in Aachen, aus Anlass des Weltfrauentages.

40 Frauen und ein Mann nutzten die Gelegenheit, im Centre Charlemagne eine kritische Zwischenbilanz zu ziehen und Ausblicke zu wagen. Ein Fazit: Jenseits rühmlicher Ausnahmen macht sich im Ernstfall der Familiengründung noch immer das klassische Rollenbild breit. Die Frau tritt bei der Erwerbsarbeit zurück, der Mann holt das Geld herein. Der Mann macht Karriere, die Frau landet in der Sackgasse von Teilzeitarbeit oder gar geringfügiger Beschäftigung.

Frauen sind, was die Bildung angeht, auf der Überholspur, meinte die Aachener Professorin Marianne Genenger-Stricker. Gleichwohl seien sie die Verliererinnen der bisherigen Praxis. Privilegien wie das Ehegattensplitting förderten das auch noch. Sehenden Auges schlitterten viele Frauen in die Altersarmut hinein. Für allein Erziehende, Getrennte, Geschiedene sei die Lage häufig prekär, ebenso für Familien, in denen weder Mann noch Frau ein gutes Gehalt nach Hause brächte.

Zeit, umzusteuern. Allmählich setze ein Sinneswandel ein, berichtete das Podium. Etwa in der gewerblichen Wirtschaft: Die Aachener Unternehmensberaterin Katharina Junglas verwies auf den Fachkräftemangel, der sich in immer mehr Branchen bemerkbar mache. Die Firmen seien gut beraten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, sagte Junglas. Denn diese sei ein Kriterium, nach dem sich Frauen für eine Mitarbeit entschieden oder auch dagegen.

Die Entwicklung könne die Politik flankieren, aber die Chancen ergreifen müssten Männer und Frauen schon selbst, sagte die Aachener Landtagsabgeordnete Daniela Jansen (SPD). Sie berichtete von aktuellen Überlegungen rund um eine flexible Handhabung der Wochenarbeitszeit, welche die Altersabsicherung im Blick behalte. Und erzählte, dass es inzwischen in Nordrhein-Westfalen eine Teilzeitausbildung gebe, um jungen Eltern den Einstieg in den Beruf zu ermöglichen.

Ein sehnsüchtiger Blick ging zuweilen Richtung Island und Norwegen, in denen sich die Arbeitswelt radikal auf Familienfreundlichkeit eingestellt hat. Nach 16 Uhr findet in den Betrieben nichts statt, was die Präsenz junger Väter und Mütter bedinge – diese hätten somit Luft, sich um ihre Kinder zu kümmern. Diesen Ansatz auf die hochverdichtete, temporeiche, von ständiger Verfügbarkeit geprägte Unternehmenskultur in Deutschland zu übertragen, dürfte allerdings ein Kraftakt sein.

Bleiben Modelle wie Betriebskindergärten oder entlastende Dienste für Mitarbeiter, die kleine Kinder
haben oder auch Angehörige pflegen müssen. Das ein oder andere wird erprobt, auch in Aachen, aber sowohl in den Köpfen der Entscheider als auch der Arbeitnehmer muss sich vieles bewegen. Bei der Podiumsveranstaltung der kfd hieß es: Die Frauen müssen für ihre Teilhabe kämpfen, sie müssen ihre Rechte einfordern – gegenüber dem Arbeitgeber, aber auch gegenüber dem Partner.

Foto v.l.: Moderatorin Gisela Göllner-Kesting, Unternehmensberaterin Katharina Junglas, Landtagsabgeordnete Daniela Jansen und Hochschulprofessorin Marianne Genenger-Stricker.
Foto: Thomas Hohenschue

kfd-Frau Hella Fuchte im Vorbericht der Aachener Zeitung

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