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Fotos und Texte: Annette Diesler
Frauen-Fastenkalender
Mein Leben in den Blick nehmen
21. Februar (Aschermittwoch)

leben und glauben
mein leben in den blick nehmen -
menschen, BEGEGNUNGEN, ereignisse, GRENZSITUATIONEN, glaubenserfahrungen
orte meines lebens – orte meines glaubens
familie, NACHBARSCHAFT, gemeinde, arbeitsplatz, POLITIK, beziehungen
entwicklung spüren, VERÄNDERUNGEN WAGEN, entscheidungen treffen
LEBENDIGER GLAUBE mutig, wahrhaftig, beharrlich, engagiert, kritisch, geduldig, fröhlich, gelassen
Leben und Glauben gehören zusammen
Aus: Charismen leben – Kirche sein
Donnerstag, 22. Februar

Lehre mich im Zusammenwirken mit deinem Geisthauch das TAU, das Zeichen höchster Vollkommenheit, und führe mich hin zum OMEGA voller Vollendung. Mach, dass ich in diesem Leben deine Schrift, die voll von inniger Liebe und Neigung, so vollkommen erlerne, dass in mir kein einziges JOTA leer bleibt und nicht erfüllt ist von deiner innigen Liebe.
Gertrud von Helfta
Freitag, 23. Februar

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Monika André, Eva-Marie Heise, Christiane Neugebauer-Weisheit
Selbstgericht
Sei nicht so stolz
auf dich selbst
dass du dir
nicht vergeben kannst
es gibt
Strafe auf Bewährung
sei nicht so unbarmherzig
mit dir selbst
dass du dir
nicht verzeihen kannst
es gibt
mildernde Umstände
sei nicht so festgelegt
auf dich selbst
dass du dir
nicht vorstellen kannst
es gibt
Haftverschonung ohne Kaution
sei nicht so vermessen
dich lebenslänglich zu bestrafen
lebenslänglich
ist ein Todesurteil
Christel Voß-Goldstein
Samstag, 24. Februar

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Eva-Marie Heise, Sonja Billmann
Wunschzettel
Möchte einig sein mit meinen Widersprüchen mutig leben mit meiner Mutlosigkeit möchte Geduld haben mit meiner Ungeduld Möchte antworten mit meinen Fragezeichen nicht aufhören zu fragen wenn ich Antwort gebe
Anne Steinwart
25. Februar (1. Fastensonntag)

Gegengewicht
Wie kann ich
in meinem blauesten Kleid
und riefe ich alle die blühenden Zweige
und alle Nachtigallen zu Hilfe
wie kann ich mit Lachen oder mit Tränen
das Gleichgewicht halten
der anderen Schale
in der die Welt liegt
eine Nuss aus Blei?
Hilde Domin
Montag, 26. Februar

Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie selbst ihnen anerzogen haben.
Marie von Ebner-Eschenbach
Dienstag, 27. Februar

Leben spüren
Du lässt Gras wachsen
und schickst den Wind.
Du lässt blühen und gedeihen
und schenkst die Frucht.
Ich will Leben spüren
hautnah
jeden Tag.
Du lässt mich aufleben.
Ich will erahnen
Schönheit und Güte,
Freiheit in Dir.
Elisabeth Werner
Mittwoch, 28. Februar

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Monika André, Christiane Neugebauer-Weisheit
Schöpfung und Tod
Aus geflügeltem Staub
sprüht die Gestalt,
sei es Stein oder Blatt,
Mensch oder Traum.
Die gegliederte Form
dringt aus dem Muttergrund.
Mit Sprache begabt
ist jedes Dinges Mund.
Jede Farbe im Wind
hat einen glühenden Pol.
Bilder bilden sich blind,
wo Verborgenes wohnt.
Liebe im Elektron,
Spannung im Stern -
Schöpfung und Tod
im innersten Kern.
Rose Ausländer
Donnerstag, 1. März

Schwester Geist,
wir danken dir, wie du uns in Verbindung bringst
mit dem tiefsten Sinn unseres Lebens.
Durch dich werden wir daran erinnert,
dass unser Wert nicht im Nehmen,
sondern im Geben liegt.
So wie wir Brot und Rosen zum Leben brauchen,
so bist du erneuernde Kraft,
die uns fantasievoll zu all jenen Menschen sendet,
die auf uns warten, damit auch sie Nahrung
für den Leib und den Geist erhalten.
Dank dir wird so mitten im Alltag
Einsamkeit, Egoismus, Ausbeutung durchbrochen.
Freundin Geist, belebe uns jeden Tag,
damit unser Leben zum Fest ohne Ende wird.
Amen.
Verfasserin unbekannt
Freitag, 2. März

Wie köstlich ist für meinen Gaumen deine Verheißung,
süßer als Honig für meinen Mund.
Psalm 119
Samstag, 3. März

jetzt
Um
wirklich
zu werden
braucht
eine
Vision
viele Träume
verrückte Ideen
und Beharrlichkeit
was leicht aussehen mag
ist Ergebnis harter Arbeit
vieler Gedanken
ist Frucht des Gebets
Tanz des Lassens
Zärtlichkeit des Seins
was
sich
ergibt
ist
weil es
war
und
weil es
sein wird
Andrea Schwarz
4. März (2. Fastensonntag)

Unser Gefängnis ist mit dem teuersten
Design tapeziert
unsere Wächter betreuen uns
mit immer neuen Programmen
wir werden gut unterhalten
mach uns leer Christus
für die andere Freiheit
Hilf uns heraus, Freund aller Geschöpfe,
an unserem Haben stirbt das Sein der andern
am Luxus hängt Vergiftung und Ersticken
an unserer Art zu leben klebt Gewalt
Mach uns frei, Menschenfreund,
von allen falschen Wünschen, mach uns ledig
vom schneller, mehr und öfter trenne uns
und vom Besitz, der uns besetzt hat,
reiß uns los
Lass uns fortgehen mit dir
Hilf uns heraus
mach uns leer
dass Gott uns füllen kann
Dorothee Sölle
Montag, 5. März

Halte dich nicht selbst für weise,
fürchte Gott, und fliehe das Böse!
Das ist heilsam für deine Gesundheit
und erfrischt deine Glieder.
Buch der Sprüche
Dienstag, 6. März

Brief an die Samariterin am Jakobsbrunnen
Liebe Samariterin,
Deinen Namen kenne ich leider nicht, aber halbwegs Deine Adresse: Sichar, „nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab“. …
Du wusstest nicht, was auf Dich zukommt, wer auf Dich zukommt, als Du zum Brunnen gingst. Als Du weggingst, warst Du wie von neuem geboren.
Hat das angehalten, diese Umwandlung? Da Du Christus persönlich begegnet bist, wage ich das für Dich zu hoffen.
Ich muss mich ja auf die Erinnerung berufen, zu der Du ein gutes Stück beigetragen hast. Wir leben von der geistlichen Kraft der Erinnerung. Glaubende und Nichtglaubende unterscheiden sich dadurch, dass die einen die unaufhebbare Zusage Gottes an uns nicht in Vergessenheit geraten lassen, die anderen dies nicht wahr sein lassen und verdrängen (unter Umständen solange, bis das Nichterinnerte eine unheimliche Macht gewinnt).
Für Dich war Gegenwart, was ich mir glaubend, zweifelnd und erinnernd immer wieder beschwören muss: diesen Beseelungsakt am Brunnen, den Gottesatem, das Wort „…wer der ist, der zu dir sagt…“ Ich muss die Zeit durch Erinnern überbrücken.
Bitte versteh mich recht: Du bist keine geschmäcklerische Lieblingsfigur aus dem Neuen Testament für mich, auch keine Erinnerungssalzsäule, auf die ich gelegentlich zurückstarre. Ich nehme Dich für mich in Anspruch, wenn ich am dringendsten des Zuspruchs bedarf und sage mit Dir: „Herr, gib mir solches Wasser.“
Es grüßt Dich Deine
Eva Z.
Die biblische Geschichte dazu steht im vierten Kapitel des Johannesevangeliums.
Mittwoch, 7. März

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Rosita Brandt, Anna-Hildegard Schmitz
HIOBS Botschaft
Ich wünsch dir
dein Lachen zurück
wenn deine Stirn
seit Wochen tiefe Falten trägt
ich wünsch dir
deine Phantasie zurück
wenn deine Sprache
zur monotonen Klage wird
ich wünsch dir
deine Gelassenheit zurück
wenn deine Zukunft
mit dunklen Ängsten droht
ich trau dir
deine Stärke zu
und deinem Mut
Beständigkeit
Christel Voß-Goldstein
Donnerstag, 8. März

Rezept zu Gen 25,34
Rote Linsensuppe mit Steinpilzen
(Angaben für 2 Personen
Zutaten:
15 g getrocknete Steinpilze
1/2 l Gemüsebrühe (Instant)
1 Schalotte
2 EL Olivenöl
1 getrocknete Chilischote
1 g Safranfäden
60 g orange Linsen
25 g Sahne
Salz, Pfeffer (frisch gemahlen), 1 Schuss Worcestersauce
Zubereitung
Steinpilze waschen, mit Gemüsebrühe begießen und einweichen. Schalotte schälen und fein würfeln. Olivenöl in einem Topf erwärmen. Schalottenwürfel, Chilischote und Safranfäden dazugeben und auf kleiner Hitze 2-3 Minuten dünsten. Steinpilze aus der Brühe nehmen. Linsen waschen und mit den Steinpilzen ebenfalls in den Topf geben, weitere 3 Minuten dünsten, mit der Brühe ablöschen. Suppe 10 bis 15 Minuten leicht köcheln lassen. Mit Sahne verfeinern, mit Salz, Pfeffer und Worcestersauce abschmecken.
Freitag, 9. März

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Christiane Neugebauer-Weisheit, Rosita Brand, Anna-Hildegard Schmitz
Verschenk ein Lächeln
Für ein Lächeln
brauchst du nur halb
so viel Muskeln wie
für ein Stirnrunzeln.
Und außerdem
macht es doppelt so
viel Spaß – dir und
den anderen.
Aus: Einfach die Welt verändern
www.wearewhatwedo.de
Samstag, 10. März

Die Harmonie zwischen zwei Individuen ist niemals gegeben, sie muss immer wieder neu erobert werden.
Simone de Beauvoir
11. März (3. Fastensonntag)

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Uta Göbel-Groß, Claudia Vonhasselt, Anna-Hildegard Schmitz
Lies einem Kind eine Geschichte vor
Wenn Kinder nicht locker lassen, bis du ihnen eine Geschichte vorliest, dann liegt das daran, dass sie mehr wissen als du: Sie wissen, dass ihr euch beide großartig fühlen werdet.
Aus: Einfach die Welt verändern
www.wearewhatwedo.de
Montag, 12. März

Die Schwerkraft des Geistes lässt uns nach oben fallen.
Simone Weil
Dienstag, 13. März

Selig die Augen , die dich schauen,
o Gott-Liebe…
Selig die Ohren, die dich hören,
o Gott-Liebe, du Wort des Lebens…
Selig die Nase, die dich atmet,
o Gott-Liebe, du des Lebens süßester würziger Duft…
Selig der Mund, der kostet,
o Gott-Liebe, deine trostreichen Worte…
Selig die Seele, die in der Umarmung unzertrennlicher Liebe sich hingeschmiegt hat an dich, und selig das Herz, das spürt deines Herzens Kuss…
Gertrud von Helfta
Mittwoch, 14. März

Das Leben ist eine Schule: Wir sind da, um etwas zu lernen und etwas zu lehren.
Elisabeth Kübler-Ross
Donnerstag, 15. März

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Claudia Vonhasselt, Sonja Billmann
Man muss die Menschen nur froh machen.
Hl. Elisabeth von Thüringen
Freitag, 16. März

Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.
Rosa Luxemburg
Samstag, 17. März

Der Mensch, der dies schaut und im Schreiben weitergibt, sieht und sieht doch nicht. Er trägt Gottes Wunderdinge nicht aus sich selbst vor, er ist vielmehr davon so ergriffen, wie eine Saite durch den Spieler ergriffen wird, um ihren Ton nicht aus sich, sondern aus dem Griff eines anderen wiederzugeben.
Hildegard von Bingen
18. März (4. Fastensonntag)

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit;
wer sie liebt, erblickt sie schnell,
und wer sie sucht, findet sie.
Buch der Weisheit
Montag, 19. März

Der Mensch bringt sein Haar täglich in Ordnung, warum nicht auch sein Herz?
Aus China
Dientag, 20. März

Uns allen ward ein Kompass eingedrückt, noch keiner hat ihn aus der Brust gerissen: Die Ehre nennt ihn, wer zur Erde blickt, und wer zum Himmel, nennt ihn das Gewissen.
Annette von Droste-Hülshoff
Mittwoch, 21. März

Das Licht, das ich schaue, ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt. Weder Höhe noch Breite, noch Länge vermag ich zu erkennen. Es wird mir als der Schatten des lebendigen Lichtes bezeichnet. Und wie Sonne, Mond und Sterne in Wassern sich spiegeln, so leuchten mir Schriften, Reden, Kräfte und gewisse Werke der Menschen in ihm auf. In diesem Licht, sehe ich, aber nicht oft, ein anderes Licht, das mir das lebendige Licht genannt wird. Wann und wie ich es schaue, kann ich nicht sagen. Solange ich es schaue, ist alle Angst von mir genommen, sodass ich mich wie ein junges Mädchen fühle und nicht wie eine alte Frau.
Hildegard von Bingen
Donnerstag, 22. März

Bekenntnis
Ich bekenne mich
zur Erde und ihren
gefährlichen Geheimnissen
zu Regen und Schnee
Baum und Berg
zur mütterlichen mörderischen
Sonne zum Wasser und
seiner Flucht
zu Milch und Brot
zur Poesie
die das Märchen vom Menschen
spinnt
zum Menschen
bekenne ich mich
mit allenWorten
die mich erschaffen
Rose Ausländer
Freitag, 23. März

Folge immer der inneren Stimme. Auch auf Umwegen
Annette von Klier
Samstag, 24. März

Die meisten Laster sind Tugenden, die sich nicht vollkommen entfalten können.
Marguerite Duras
25. März (5. Fastensonntag)

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Claudia Vonhasselt, Monika André, Sonja Billmann
Ich lebe!
Ich nehme Abschied -
find’ zurück,
bin traurig -
und genieß’ das Glück,
ersehne, träume, schwebe -
und lebe!
Ich stürme vor -
und halte ein,
kann mutig -
kann auch feige sein,
entscheide, handle, strebe -
und lebe!
Was auch geschieht,
ich geb’ nicht auf:
ich renn hinab
und keuch’ hinauf,
ich nehme und ich gebe.
Verdammt noch mal -
ich lebe!
Gudrun Pausewang
Montag, 26. März

Lebe so, dass du nicht rückwirkend sagen musst: Gott, wie habe ich mein Leben vertan!
Elisabeth Kübler-Ross
Dienstag, 27. März

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Monika André
Die Gerechtigkeit leben
Brennt nach diesem Tag
der Wunsch nach Gerechtigkeit
auch in dir?
Dann nähr ihn mit Liebe,
Hoffnung und Mut.
Lass diesen Wunsch
dein Herz sanft durchdringen,
damit er durch Wort und Tat
auch nach außen hin sich zeigt.
Lebe die Gerechtigkeit
in deinem Denken und Handeln,
dann nehmen auch ihre Geschwister
dich gerne an die Hand.
Teilen, Zuversicht und Solidarität
sind nur wenige ihrer Namen.
Wenn auf dem Weg der Gerechtigkeit
sich neue Möglichkeiten zeigen,
kommen Ruhe, Licht
und Lebensmut von selbst hinzu.
Und geht dein Blick nicht nur
geradeaus,
lassen sich neue Gefährtinnen finden.
Nächstenliebe, Freundschaft
und Frieden
werden sich mit dir
und der Gerechtigkeit
verbinden.
Elisabeth Rieger
Mittwoch, 28. März

Charme ist, was manche Leute haben, bis sie beginnen, sich darauf zu verlassen.
Simone de Beauvoir
Donnerstag, 29. März

Hildegard hörte Gott sprechen:
“Ich, die höchste feurige Kraft, habe alle lebendigen Funken entzündet. Ich, das feurige Wesen, flamme über die Schönheit der Fluren, leuchte in den Wassern, brenne in Sonne, Mond und Sternen. Mit dem Windhauch, dem unsichtbaren Leben, das alles erhält, erwecke ich alles zum Leben. Die Luft lebt nämlich im Grünen und Blühen, die Wasser fließen, als ob sie lebten, auch die Sonne lebt in ihrem Licht.“
Hildegard von Bingen
Freitag, 30. März

mitten im leben
wo geschieht gott
mitten im leben
und nicht nur dort
wo wir ihm sorgsam
platz einräumen
wo geschieht gott
mitten im leben
und nicht nur dann
wenn wir ihm vorsichtig
zeit geben
wo geschieht gott
zwischen uns menschen
die wir längst diesseitig leben
und gemeinsam verlernt haben
weiter zu sehen
mitten im leben
auf gottsuche gehen
bleibt ein abenteuer
auch unserer zeit
hoffend
miten im leben
bisweilen
auch lautlos
geliebt zu sein
Martina Kreidler-Kos
Samstag, 31. März

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerin: Ingeborg Dahmen
Es gibt dich
Dein Ort ist
wo Augen dich ansehn.
Wo sich die Augen treffen
entstehst du.
Von einem Ruf gehalten,
immer die gleiche Stimme,
es scheint nur eine zu geben
mit der alle rufen.
Du fielest,
aber du fällst nicht.
Augen fangen dich auf.
Es gibt dich
weil Augen dich wollen,
dich ansehn und sagen
dass es dich gibt.
Hilde Domin
1. April (6. Fastensonntag)

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Uta Göbel-Groß, Sonja Billmann
Globalisierung bedeutet für mich, dass niemand verschont bleibt, seine Haut weltweit zu Markte zu tragen. Der Wettlauf um niedrigste Löhne und übelste Arbeitsbedingungen spielt Menschen gnadenlos gegeneinander aus. Sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse feiern Auferstehung. Dabei wäre eine Auferstehung der Menschenwürde nötig.
Cornelia Füllkrug-Weitzel
Montag, 2. April

berufen?
ich doch nicht
der pfarrer vielleicht
irgendwelche ordensleute
jemand der was von theologie versteht
berufen das sind doch nur die anderen
aber ich doch nicht
aber berufung wird nicht
mit großbuchstaben geschrieben
berufung ist nicht der und die
und dann und dort
berufung ist hier und jetzt
und du und ich
und wird eindeutig
klein geschrieben
berufung
das ist nicht mehr
und nicht weniger
als antwort geben auf einen ruf
antwort geben mit dem
was ich kann
mit dem was ich bin
das ist mit meinem leben
antwort geben
antwort sein
auf das was gott
von mir will
Andrea Schwarz
Dienstag, 3. April

Zu dir
Vater im Himmel,
ich komme zu dir.
Mit meinen Ängsten und Zweifeln.
An einem Tag wie diesem fühle ich mich überfordert.
Von den Menschen und von dir.
Dann habe ich das Gefühl, all den Ansprüchen
nicht gerecht werden zu können.
Ich stehe hilflos da und weiß nicht weiter.
Vater, sei in diesen Momenten bei mir.
Stärke mein Vertrauen in die Talente,
die du mir geschenkt hast. Mit ihnen kann
ich doch voll Freude arbeiten.
Erinnere mich auch daran, dass du mich liebst.
Deswegen sind deine Ansprüche an mich nie so groß, dass ich sie nicht erfüllen könnte.
Schenke mir Freude an den Herausforderungen des Lebens.
Dann kann ich deine Gegenwart spüren.
Kerstin Berretz
Mittwoch, 4. April

aus: Kunstdruck-Postkarten - kfd-Kunst im Set
Künstlerinnen: Eva-Marie Heise, Christiane Neugebauer-Weisheit, Uta Göbel-Groß, Ingeborg Dahmen
Gerechtigkeit – für mich ist dieser Begriff die treibende Kraft für Veränderung, Idee und Verheißung einer besseren Ordnung der menschlichen Gesellschaft. Ob es um den skandalösen Mangel an Gerechtigkeit zwischen Reichen und Armen im Weltmaßstab geht oder um die individuellen Lebenschancen in unserer Gesellschaft: Wir sind beschämend weit entfernt von einer gerechten Ordnung. Gerechtigkeit hat viele Gesichter. Sie ist das Gegenteil von Willkür; sie sichert eine angemessene Verteilung knapper Güter; sie ermöglicht den Ausgleich zwischen Starken und Schwachen. Demokratie ist ohne Gerechtigkeit nicht lebensfähig. Gerechtigkeit hat aber auch eine dunkle Seite. Ohne Barmherzigkeit kann sie unmenschlich werden.
Katrin Göring-Eckardt
Donnerstag, 5. April

Weil du unserem Hoffen Flügel schenkst
Gott,
du Quelle des Lebens,
du Atem unserer Sehnsucht,
du Urgrund allen Seins
Segne uns
mit dem Licht deiner Gegenwart,
das unsere Fragen durchglüht
und unseren Ängsten standhält
Segne uns,
damit wir ein Segen sind
und mit zärtlichen Händen
und einem hörenden Herzen,
mit offenen Augen
und mutigen Schritten
dem Frieden den Weg bereiten
Segne uns,
dass wir einander segnen
und stärken
und hoffen lehren
wider alle Hoffnung,
weil du unserem Hoffen Flügel schenkst
Amen
So sei es
So ist es
Amen
Katja Süss
6. April (Karfreitag)

Ich glaube nicht mehr an Gerechtigkeit, aber gerade aus diesem Unglauben heraus erscheint es jedes Mal wie ein Wunder, wenn Gott die offene Rechnung, die das Leben mit uns hat, ausgleicht und die erlösende Gerechtigkeit wieder herstellt. Bloß, wie soll er das bei Menschen tun, denen das Schicksal die Familie und Hab und Gut genommen hat? Es gibt Dinge im Leben, die sind unersetzlich. Wenn die Gerechtigkeit jedoch wiederhergestellt wird, empfinde ich das deshalb als Gnade Gottes.
Desiree Nick
Samstag, 7. April

Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.
Maria von Ebner-Eschenbach
8. April (Ostersonntag)

Der Fisch kann im Wasser nicht ertrinken,
der Vogel in den Lüften nicht versinken,
das Gold ist im Feuer nie vergangen,
denn es wird dort Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen.
Gott hat allen Kreaturen das gegeben, dass sie ihrer Natur gemäß leben.
Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehen?
Ich muss von allen Dingen hinweg zu Gott gehen,
denn mein Vater ist von Natur, mein Bruder nach seiner Menschheit,
mein Bräutigam von Minnen und ich die seine ohne Beginnen.
Wähnt ihr nicht, ich würde diese Natur nicht fühlen?
Gott kann beides: kräftig brennen und zärtlich kühlen.
Mechthild von Magdeburg
9. April (Ostermontag)

Wenn wir die Liebe leben, die den Tod bezwingt,
glauben an Gottes Reich, das neues Leben bringt:
Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt,
Jesus Christ, du erneuerst unsere Welt.
aus: kfd-Liederbuch Nr. 42, 5.Strophe
Foto: Xenia Marita Riebe