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Fotos und Texte: Annette Diesler
... rund 40 Portraits aus fünf Jahrhunderten. Den Kurzcharakteristiken liegt das Buch von Irma Hildebrandt, Mutige Frauen. 30 Portraits aus fünf Jahrhunderten zugrunde sowie Kurzbeschreibungen aus dem Internetlexikon Wikipedia.
Frauen-Fastenkalender
Mein Leben in den Blick nehmen
Aschermittwoch, 6. Februar

Dorothee Sölle (1929-2003)
Als deutsche evangelische Theologin zählte sie zu den weltweit bekanntesten und umstrittensten Theologinnen. Sie habilitierte und erhielt keinen Lehrstuhl in Deutschland. Von 1975-1987 hatte sie eine Professur für systematische Theologie in New York inne.
Der Gedanke an den Tod hat sie nie geschreckt. Sie sah sich als Teil der Natur, wie ein Blatt, das fällt und vermodert: " Und dann wächst der Baum weiter, und das Gras wächst, und die Vögel singen, und ich bin ein Teil dieses Ganzen. Ich bin zu Hause in diesem Kosmos."
Wie gehe ich damit um, dass ich sterblich bin?
Donnerstag, 7. Februar

Mit 44 Jahren zu neuen Ufern.
Ida Pfeiffer (1797-1858)
Sie hat 240.000 Kilometer zur See zurückgelegt!
Sie ist 32.000 Kilometer auf vier Kontinenten gereist!
Sie hat 13 Bücher geschrieben, die in sieben Sprachen übersetzt wurden.
Der Bestand der meisten naturwissenschaftlichen Museen wäre ohne ihre Funde (Tiere und Pflanzen), die sie von den verschiedenen Weltreisen mitbrachte, beinahe undenkbar. Mehrere der Tiere, die sie gesammelt hatte, sind nach ihr benannt, darunter eine aus Borneo stammende Garnelenart (Palaemon idae), eine Stabheuschreckenart (Myronides pfeifferae), eine Meeresnacktschnecke (Vaginula idae) und eine Wasserfroschart aus Madagaskar (Rana idae). Darüber hinaus verdanken wir ihr viele geographische und ethnologische Kenntnisse. Doch als Frau zur Zeit des Biedermeier war ihr all dies keineswegs in die Wiege gelegt. Erst als ihr Mann verstorben und ihre beiden Söhne erwachsen waren, erfüllte sie sich ihren Lebenstraum um die Welt zu reisen. Weder die gesellschaftlichen Konventionen noch ihr schmaler Geldbeutel boten ihr eigentlich die Möglichkeit dazu. Doch sie besaß ausreichend Wagemut und Willensstärke, um sich den zahlreichen Herausforderungen zu stellen.
Auf welche persönliche Lebensleistung bin ich stolz?
Freitag, 8. Februar

Hartnäckigkeit und Unerschrockenheit zahlen sich aus!
Maria Ward (1585-1645)
Ihren Namen findet man im Straßenverzeichnis von München. Eine zeitlang galt sie in Kreisen der römischen Kurie als "Unkraut aus dem Garten der Kirche". Ein Erzbischof von Canterbury sagte über sie: "Diese Frau ist gefährlicher als sechs Jesuiten". In der Tat wollte Maria Ward, eine junge englische Katholikin, einen weiblichen Zweig der Jesuiten begründen. Da dies trotz mehrerer Gespräche mit verschiedenen Päpsten nicht bewilligt wurde, hat sie zunächst ein weiteres Ziel verfolgt, nämlich die schulische Erziehung von Mädchen. Heute sind die Englischen Fräulein aus dem Münchner Leben nicht wegzudenken. Sie unterhalten Schulen und Studentinnenwohnheime und engagieren sich in weltweiten Missionsprojekten. Ziemlich posthum, nämlich 1978, wurde den Englischen Fräulein dann doch erlaubt, nach den Regeln des Jesuitengründers, Ignatius von Loyola, zu leben.
Manche Projekte erfordern eben einen langen Atem. Kenne ich das aus eigener Erfahrung?
Samstag, 9. Februar

".damit ihr wisst, von was für Leuten ihr her seid."
Glückel von Hameln (1645-1724)
Jede von uns wird in eine bestimmte Familientradition hinein geboren. Die eine hat eine künstlerisch begabte Großmutter, die andere eine jüdische Tante mit außergewöhnlichem Musiktalent, die nächste erfährt durch einen Zufall von ihrer willensstarken Urgroßmutter usw. Die Geschäftsfrau Glückel von Hameln hat den Wert der Weitergabe dieser eigenen Erlebnisse und Erfahrungen für ihre Nachkommen früh erkannt und schriftlich festgehalten: "Meine lieben Kinder, ich schreib euch dieses damit, wenn heute oder morgen eure lieben Kinder und Enkel kommen und ihre liebe Familie nicht kennen, damit ihr wisst, von was für Leuten ihr her seid."
Ihr privates Tagebuch enthält für uns Heutige wertvolle Hinweise auf die Lebensbedingungen der Hamburger Juden im ausgehenden 17. Jahrhundert.
Welche Lebenserfahrungen möchte ich weitergeben und wie trage ich dafür Sorge, dass sie festgehalten werden?
Sonntag, 10. Februar

Maria Ward (1585-1645)
Zeige dich so, wie du bist und sei so, wie du dich zeigst!
Montag, 11. Februar

Zum Unwort des Jahres: Herdprämie
Anna Magdalena Bach (1701-1760)
Sie hätte sie verdient gehabt! Wenn es damals so etwas schon gegeben hätte. Sie war die zweite Ehefrau von Johann Sebastian Bach. Um der 16 ! Kinder willen hat sie ihre Karriere als Sängerin aufgegeben. Außer einem nach ihr benannten Notenbüchlein, das sie gemeinsam mit ihrem Mann erstellt hat, ist die Erinnerung an sie recht vage. Es gibt weder ein Bild von ihr, noch ist ihre Grabstätte bekannt. Leider existiert auch kein Schriftstück, in dem sie ausführlicher erwähnt würde. Wenn es einen Grabstein gäbe, so müsste die Inschrift lauten: Ihr Leben bestand aus Mühe und Arbeit. Sie war immer für die anderen da und blieb dabei stets im Hintergrund.
Welche Frau aus meinem Bekanntenkreis hätte eine Würdigung ihrer Lebens-)leistung verdient?
Dienstag, 12. Februar

"Und wie ick so gelofen bin ."
Madame du Titre (1748-1827)
Als calvinistische Hugenotten aus Frankreich vertrieben, fanden ihre Vorfahren in Berlin Asyl. Damit zählten sie, wie zwanzig Prozent der Berliner Bevölkerung um 1700, zur "Französischen Kolonie", deren Angehörige es dank ihrer Lebensklugheit und Geschicklichkeit bald zu Ansehen und Reichtum brachten. Madame du Titre ist in Romanen von Goethe, Hebbel und E.T.A. Hoffmann verewigt. Dies nicht zuletzt aufgrund ihres unschlagbaren Mutterwitzes und ihrer verblüffenden Schlagfertigkeit, die so gar nicht ins Bild einer feinen Dame der Gesellschaft passen wollten. Zu den zahlreichen Anekdoten, die man ihr zuschreibt, zählt auch ein Gespräch mit ihrer Gesellschafterin, der sie erzählt, wohin sie am Morgen schon überall "gelofen" sei: "Und wie ick so gelofen bin." - "Aber, Madame du Titre", wandte ihre Gesprächspartnerin belehrend ein, "on dit gegangen, gegangen, nicht gelofen", und sie erhält zur Antwort: "Wat, gegangen, gegangen? Mamsellken, ick bin gelofen und habe den reichen du Titre gekriegt. Und Sie sind gegangen, gegangen, und haben noch keenen gekriegt!"
Mittwoch, 13. Februar

Respekt, Madame!
Frau Oberst Regula Engel (1761-1853)
Sie hat 21 Kinder in 32 Jahren zur Welt gebracht. Sie ist die Frau eines Schweizer Berufssöldners und zieht mit ihm und ihren Kindern in Männerkleidung in die Schlachten. Ihre Familiengeschichte, in der Geburt und Tod beinahe wie Einatmen und Ausatmen aufeinander folgen, spiegelt ein Stück Zeitgeschichte. Sie reist von Schlachtfeld zu Schlachtfeld quer durch die ganze Welt von Straßburg über Korsika, Flandern, Malta, Ägypten, Mantua, Böhmen, New Orleans und wieder zurück in die Schweiz nach Zürich. Bei der Schlacht von Waterloo verliert sie ihren Mann und zwei ihrer Kinder und wird selbst schwer verletzt. Im Lazarett gibt es große Verwirrung darüber, dass eine Frau in der Uniform steckt. Bis an ihr Lebensende zehrt sie von einem Verwundetenbesuch, den der russische Zar, der Kaiser von Österreich und der König von Preußen ihr gemeinsam abstatten. Sie stirbt rund 40 Jahre später im Alter von 93 Jahren und hinterlässt 3 ihrer 21 Kinder.
Welche Begebenheit hat mir in meinem Leben Mut und Kraft zum Durchhalten gegeben?
Donnerstag, 14. Februar

Susette Gontard (1769-1802) - Hölderlins Diotima
Mit 17 Jahren wird sie die Gattin eines erfolgreichen Frankfurter Geschäftsmannes, der keine Zeit hat, ihr die Welt aufzuschließen. Die junge Frau fühlt sich nicht unglücklich, aber unverstanden. Die vier Kinder, die sie kurz nacheinander zur Welt bringt, vermögen ihr Leben nicht vollständig auszufüllen. Es bleibt die unbestimmte Suche nach Höherem, das über den Alltag hinausreicht. Die Erfüllung dieser Sehnsucht bringt ihr Hölderlin, der unverhofft erschienene "Götterbote".
Susette Gontard findet sich immer leidenschaftlicher in der Rolle der Romanfigur Diotima von Hölderlin hinein und gestaltet sie zu ihrem eigentlichen Leben aus. Sie ist Hölderlins poetische Muse und gleichzeitig seine Beraterin in praktischen Lebensfragen. Ihre platonische Zuneigung endet jedoch tragisch.
Welche (unfreiwillige) Rolle nehme ich in meinem Leben ein?
Freitag, 15. Februar

Königin Luise von Preußen (1776-1810)
Ein gutes Jahrhundert war Luise Vorbildfigur der zusammenwachsenden deutschen Nation: häusliche, mütterlich sich aufopfernde Frau und zugleich anmutige Repräsentantin des preußischen Staates. Zehn Kinder hat sie geboren.
Leicht ist ihr das alles nicht gefallen. Im Gegenteil. Der Umzug nach Berlin, der Stadt, die "wie ein böses unbekanntes Etwas" vor ihr lag, hat ihr große Angst eingejagt. In einem Brief kurz vor ihrer Abreise nach Berlin schreibt sie: "Werden Sie es wohl glauben, meine Verlegenheit wegen der Ankunft in Berlin wächst mit jedem Augenblick; deshalb sage ich Ihnen vorher und bitte Sie, es allen Leuten zu sagen, dass ich ganz einfach bin." Die Berliner Bevölkerung hat ihr rasch viel Sympathie entgegengebracht. Wohl vor allem, weil sie nie einen Hehl aus ihren Schwächen machte. Aus heutiger Sicht erkennt man in ihr eine selbstständig denken und handelnde sowie mutig entschlossene Königin.
Kann ich zu meinen Schwächen stehen?
Samstag, 16. Februar

Luise Otto Peters (1819-1895)
Sie nimmt als erste Frau öffentlich Stellung zur Arbeiterinnenfrage. Als junge Journalistin schreibt sie zunächst unter einem Männernamen, um überhaupt ernst genommen zu werden. Dann schließlich wagt sie es ihren richtigen Namen unter einen Artikel zu setzen und schreibt: "Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen."
1849 wurde sie Herausgeberin der "Frauenzeitung" unter dem Motto "Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen!" Als Begründerin der deutschen Frauenbewegung ist sie in die Geschichte eingegangen. Louise Otto hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihre Eltern und insbesondere ihr Vater sie in ihrer Entwicklung maßgeblich gefördert und geprägt haben. Anders als andere junge Mädchen ihrer Zeit, ist sie von ihrem Vater angehalten worden das politische Geschehen nachhaltig zu verfolgen. Ihr Vater hatte sie auf soziale Missstände aufmerksam gemacht, ihr kritisches Bewusstsein geweckt und sie zur Selbstständigkeit erzogen. Die liberale Haltung ihres Elternhauses ist damit zum Maßstab ihrer Emanzipationsvorstellungen geworden.
Was verdanke ich anderen Menschen?
Sonntag, 17. Februar

Zsa Zsa Gabor (*1917)
Menschen an denen nichts auszusetzen ist haben einen - allerdings entscheidenden - Fehler: Sie sind uninteressant.
Montag, 18. Februar

Hedwig Dohm (1833-1919)
"Frauen leben Vielfalt", heißt es auf dem Banner der kfd des Diözesanverbands Aachen. Hedwig Dohm könnte mit ihrem Leben dafür Patin stehen. Als Hausfrau und Mutter von fünf Kindern hat sie sich einerseits ganz ihrer Familie gewidmet. Andererseits ist sie als Feministin und Pazifistin zu einer Symbolfigur der Frauenbewegung geworden. Mit spitzer Feder hat sie für die Rechte der Frau gekämpft und schon 1873 erstmals in Deutschland öffentlich das Frauenstimmrecht gefordert. Mit ihrer glasklaren Logik und punktgenauen Argumentation lässt sie sich von keinerlei Autorität seitens Kirche, Staat oder Wissenschaft in die Enge treiben. So schreibt sie: "Man verwehrt den Frauen Gehirnarbeit, entzieht ihnen die Möglichkeit, Willens- und Tatkraft zu üben, und nähern sie sich dann in ihren schwächeren Exemplaren - auf dem Weg der Anpassung - dem Schafsideal, so ruft man triumphierend: ,Seht da - die Natur des Weibes!'"
Welche verschiedenen Facetten meiner Persönlichkeit werden in meinem Leben als Frau sichtbar?
Dienstag, 19. Februar

Franziska Tiburtius (1843-1927)
Berlin, Ecke Friedrichstraße/Schützenstraße: Ein Emailleschild tut es kund: "Dr.med. Franziska Tiburtius". Die erste Ärztin Berlins. Sie musste im Ausland, in Zürich Medizin studieren, weil es in Deutschland als Frau keine Möglichkeit dazu gab. Obwohl ihr zur Eröffnung der Praxis eine Genehmigung der Behörden fehlte, (die Frauen grundsätzlich verweigert wurde), wagte sie es trotzdem und setzte sich durch. Gemeinsam mit einer Kollegin versorgte sie Tag und Nacht Patientinnen und Patienten. Der Druck auf die Regierung Frauen zum Universitätsstudium zuzulassen wuchs. Energisch sprach sie Franziska Tiburtius allerdings gegen ein Projekt einer Frauenuniversität aus. Sie wollte keine Schmalspurausbildung für höhere Töchter, sondern gleich harte Bedingungen wie die männlichen Kommilitonen. 1898 wurden die Frauen zu deutschen Staatsprüfungen zugelassen.
Wann habe ich das letzte Mal durch praktisches Tun auch theoretisch etwas voran gebracht?
Mittwoch, 20. Februar

Clara Schumann (1819-1896)
Sie war eine bekannte deutsche Pianistin und Komponistin und die Ehefrau Robert Schumanns.
Was Clara Schumann besonders auszeichnete: Sie bestand in einer männerdominierten Welt. Sie ließ sich nicht auf die Präsentation von Salon-Stückchen reduzieren, spielte u.a. anspruchsvolle Sonaten von Beethoven und einige seiner Klavierkonzerte (auch das fünfte, das als schwierig galt), und wurde deswegen in ganz Europa gefeiert und mit Ehrungen bedacht.
Clara Schumann war ein außerordentliches Talent, und sie hatte das Bedürfnis, es auszuleben, auch wenn sie es immer wieder gegen andere Interessen (Mutterschaft, Robert Schumanns Einfluss) durchsetzen musste.
Welches meiner Talente kommt zu kurz, weil es gegenüber anderen Interessen immer wieder zurückstehen muss?
Donnerstag, 21. Februar

Marie Curie (1867-1934)
Sie war eine polnische Chemikerin und Physikerin mit französischer Staatsbürgerschaft. Sie forschte auf dem Gebiet der Radioaktivität und wurde für ihre wissenschaftlichen Leistungen sowohl mit einem Nobelpreis für Physik (1903) als auch für Chemie (1911) ausgezeichnet. Sie war damit die erste Wissenschaftlerin, die in diesen Fachgebieten einen Nobelpreis erhielt, und ist bisher gleichzeitig die einzige Frau, der mehr als ein Nobelpreis verliehen wurde.
Sie verzichtete auf die Patentierung des Gewinnungsverfahrens für die Elemente Radium und Polonium, damit die Forschung ungehindert weitergehen konnte. Ihre Tochter, Irène Joliot-Curie, erhielt 1935 ebenfalls den Nobelpreis für Chemie.
Welche Begabung/Begeisterung habe ich an meine Kinder vererbt?
Freitag, 22. Februar

Emilie Kempin-Spyri (1853-1901)
Sie ist 21 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und mit einem Pfarrer in Zürich verheiratet. Sie träumt von einem Studium. Nein, sie träumt nicht, sie setzt ihr Studium Schritt für Schritt in die Praxis um. Sie ist die erste Frau, die in der Schweiz als Juristin promoviert wurde und habilitierte. Als Frau durfte sie jedoch nicht als Anwältin praktizieren, weshalb sie nach New York auswanderte, wo sie an einer von ihr gegründeten Rechtsschule für Frauen unterrichtete. Weil ihr Mann sich in New York nicht wohl fühlte, kehrte die Familie nach Zürich zurück. Zeitlebens kämpfte Kempin-Spyri für ihre Zulassung als Anwältin und zerbrach schließlich an diesem erfolglosen Kampf. 1901 starb sie verarmt in Basel an Gebärmutterkrebs. Dennoch war ihr Kampf nicht umsonst. Denn dank ihr wurde 1898 ein neues Anwaltsgesetz in Zürich eingeführt, das den Frauen erlaubte, den Anwaltsberuf auszuüben, trotz fehlendem Aktivbürgerrecht. Bundesweit wurde diese Bestimmung erst 1923 durchgesetzt.
Für welches Anliegen setze ich mich mit ganzer Kraft ein?
Samstag, 23. Februar

Clara Zetkin (1857-1933)
Als 17-jährige wird sie in die Lehrerinnenklasse aufgenommen, wo sie eine solide Ausbildung in Fremdsprachen und historisch-politischem Wissen bekommt. Dies schafft die Grundlage für ihr späteres international politisches Engagement. Sie wird Frauenrechtlerin, Führerin der proletarischen Frauenbewegung und einflussreiche sozialistische deutsche Politikerin. Wegen ihrer Antikriegshaltung ist sie mehrfach inhaftiert worden. Mit ihren scharfzüngigen Reden und Schriften polarisiert sie die Gemüter. Gelegentlich - wie in ihrer ablehnenden Haltung dem Frauenwahlrecht gegenüber - neigt sie dazu "das Kind mit dem Bade auszuschütten".
Bei welcher meiner Überzeugungen oder Leidenschaften besteht die Gefahr, dass sie mich blind und radikal werden lassen könnten?
Sonntag, 24. Februar

Josephine Baker (1906-75)
Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, daraus zu erwachen.
Montag, 25. Febuar

Franziska Gräfin zu Reventlow 1871-1918)
Sie war Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin. Sie stammt aus einem Schloss vor Husum. Ihre Familie war mit Theodor Storm befreundet. In ihrem autobiographischen Roman Ellen Olestjerne beschreibt sie die strenge Erziehung zur "höheren Tochter" und zum jungen "Fräulein". Sie wird aus einem Mädchenpensionat geworfen und schließt dennoch später ein Lehrerinnenseminar erfolgreich ab, was für eine adlige junge Frau höchst ungewöhnlich war. Als Schriftstellerin hat sie ein einzigartiges Beispiel humoristisch-satirischer Literatur hinterlassen.
Welche mir gesetzten Grenzen würde ich gerne einmal überschreiten?
Dienstag, 26. Februar

Lena Christ (1881-1920)
Sie ist eine bedeutende deutsche und bayerische Schriftstellerin. Als außereheliches Kind der Köchin Magdalena Pichler kam sie auf die Welt. Ein guter Freund bringt sie auf die Idee ihre persönlichen Erlebnisse niederzuschreiben. In ihrem Roman Erinnerungen einer Überflüssigen gibt sie einen tiefen Einblick in das Frauenleben um die Jahrhundertwende. Die Schicksale bewegen sich zwischen Überbehütung einerseits und Ausbeutung, Lieblosigkeit und dem Erleiden scharfer Sanktionen für "aus dem Rahmen Fallende" andererseits.
Welchen wichtigen Anstoß habe ich von guten Freunden erhalten?
Mittwoch, 27. Februar

Alice Salomon (1872-1948)
Sie war eine Wegbereiterin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft. Sie hat Hilfsvereine zur Unterstützung von Armen, Kranken und geistig Behinderten gegründet. Außerdem hat sie sich der Mädchenbildung und den Frauenfragen gewidmet. 1900 trat sie dem "Bund Deutscher Frauenvereine" bei. Sie gründete die erste interkonfessionelle "Soziale Frauenschule" (später Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik) in Berlin. 1914 trat sie vom Judentum zur evangelischen Kirche über. 1939 wurde sie durch die Gestapo zur Emigration in die USA gezwungen. "Nicht wo ich ein bequemes Leben habe, sondern wo ich nützlich sein kann, dort ist mein Vaterland." Diesen Vers aus Goethes Wilhelm Meister könnte man als ihr Lebensmotto begreifen.
Wie würde ich Vaterland für mich definieren und was habe ich bislang für mein Land getan?
Donnerstag, 28. Februar

Alma Mahler-Werfel (1879-1964)
Sie war eine Persönlichkeit der Kunst-, Musik- und Literaturszene. Sie ist Ehefrau bzw. Gefährtin des Komponisten Gustav Mahler, des Malers Oskar Kokoschka, des Architekten Walter Gropius und des Dichters Franz Werfel gewesen.
Das Urteil über ihre Persönlichkeit schwankt zwischen zwei Extremen. Die einen sehen in ihr eine der exzentrischsten, weiblichsten und intelligentesten Frauen ihrer Zeit. Die anderen halten sie für herrschsüchtig, materialistisch, antisemitisch und sexbesessen. Sie hat mehr als 100 Lieder komponiert, von denen jedoch nur siebzehn erhalten geblieben sind. 85jährig starb sie in New York.
Wie werden die Zeitgenossen nach meinem Tod über mich urteilen?
Freitag, 29. Februar

Tilla Durieux (1880-1971)
Sie ist eine österreichische Schauspielerin. Sie erhielt das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland sowie den Filmband in Gold für ihr langjähriges Wirken im deutschen Film. Ein ihr zugeschriebenes Bonmot lautet: "Wer von der Hoffnung lebt, wird wenigstens nicht dick." Bis ins hohe Alter steht sie auf der Bühne. Sie ist Meisterin in der Darstellung von Alterstragik. Dabei kann sie auch aus Erfahrungen aus ihrem Leben zurückgreifen. Sie ist in hohem Alter an jedem Theater nur zu Gast, nirgendwo kann sie mehr heimisch werden.
Welche Rollen habe ich in meinem Leben am meisten verabscheut?
Samstag, 1. März

Louise Schröder (1887-1957)
1946 wird sie Bürgermeisterin von Berlin. Zeit der Trümmerfrauen. Zeit der Blockade. 1948 sperrt die sowjetische Besatzungsmacht für fast ein Jahr alle Land- und Wasserwege nach Berlin. Nicht zuletzt ist es der beherzten und besonnenen Bürgermeisterin zu verdanken, dass in dem eingekesselten Berlin keine Panik ausbricht. Neben ihrer politischen Arbeit im Vorstand der SPD, legt sie - wie die anderen Trümmerfrauen - auch selbst Hand an bei den Aufräumarbeiten.
Im deutschen Städtetag in der Frankfurter Paulskirche wie im Europarat in Straßburg schätzt man ihre Zuverlässigkeit, ihre Abgewogenheit und den Blick für das Notwendige und Machbare ebenso wie ihre Vermittlerrolle bei Meinungsverschiedenheiten.
Bin ich von meinem Naturell her als Vermittlerin geeignet? Und wenn ja, setze ich dieses Charisma zum Wohl der Gruppe, der Gemeinschaft ein?
Sonntag, 2 März

Theresia von Avila (1515-1582)
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheiten erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben - aber Du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
Montag, 3. März

Ida Ehre (1900-1989)
Sie war eine österreichisch-deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie als Jüdin mit Berufsverbot belegt und arbeitete als Arzthelferin. Eine Auswanderung nach Chile schlug 1939 fehl. Sie wurde von der Gestapo verhaftet und war im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Nach Kriegsende eröffnete sie noch 1945 die Hamburger Kammerspiele. Sie entwickelten sich unter ihrer Leitung zu einer führenden deutschen Schauspielbühne. 1984 wurde sie als erste Frau Ehrenbürgerin der Hansestadt Hamburg.
Wie ist es mit meinem Glauben an das Gute im Menschen bestellt?
Dientag, 4. März

Sophie Taeuber-Arp (1889-1943)
Sie entwarf zusammen mit ihrem späteren Mann Hans Arp und anderen die Kunst des Dadaismus. Eine Nonsens-Kunst als Verneinung und Verspottung einer abendländischen Worthülsen-Kultur. Dada bedeutet für sie Bewegung, Umsetzen von Lebensgefühl in Tanz, Farbe, Form.
Sie machte keinen Unterschied zwischen Geschirrspülen und Dichten, Sticken und Schuhe putzen. Jede Tätigkeit verdiente gleich viel Aufmerksamkeit und Hingabe. Diese vollendete Anpassung an den Augenblick befähigte sie, nachts exzentrische Tänze vorzuführen und tagsüber an einer Kunstgewerbeschule zu unterrichten. Ebenso spielend wechselte sie zwischen ihrer Rolle als Hausfrau und avantgardistischer Künstlerin.
Wie verleihe ich meinem Temperament, meiner Sinnlichkeit, meiner Fantasie Ausdruck?
Mittwoch, 5. März

Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002)
Sie zählt zu den wichtigsten Journalistinnen der deutschen Nachkriegszeit. Sie war Mitherausgeberin der Wochenzeitung DIE ZEIT. Sie war promovierte Volkswirtin, stand mit den Mitgliedern des Kreisauer Kreises in Kontakt und war indirekt am Putschversuch gegen Hitler beteiligt. Aufgrund ihrer ostpreußischen Herkunft engagierte sie sich besonders für eine aktive Ostpolitik der Bundesregierung. Für ihre Verdienste um die Völkerverständigung in Europa erhielt sie 1993 und 1999 Preise.
Wofür bin ich aufgrund meiner Herkunft besonders prädestiniert?
Donnerstag, 6. März

Margarete Mitscherlich (*1917)
Sie ist promovierte Medizinerin und Psychoanalytikerin. Ihre berühmteste Analyse schreibt sie 1967 zusammen mit ihrem Mann Alexander Mitscherlich: "Die Unfähigkeit zu trauern." Ohne wirkliche Trauer auf der Basis eines Schuldeingeständnisses, so ihre zentrale These, ist keine Veränderung möglich. Die Fähigkeit andere Menschen emotional zu erfassen wird für sie zum wichtigsten Instrument, um Machtstrukturen aufzulösen.
Bin ich fähig zu trauern?
Freitag, 7. März

Hannah Arendt (1906-1975)
Sie war eine bedeutende Gesellschafts- und Politikwissenschaftlerin. 1933 musste sie als Jüdin aus Deutschland emigrieren. Bekannt wurde sie als Professorin für politische Philosophie in Chicago und New York. Ihre Publikationen zum Totalitarismus und zur Existenzphilosophie sind wegweisend.
Der Mensch ist nach Arendt ein frei handelndes, für seine Taten verantwortliches Wesen. Schuld haben demnach bestimmte Personen auf sich geladen. Die Idee einer Kollektivschuld lehnte sie entschieden ab.
"Wo alle schuldig sind, da ist es niemand ... Ich habe es immer für den Inbegriff moralischer Verwirrung gehalten, daß sich im Deutschland der Nachkriegszeit diejenigen, die völlig frei von Schuld waren, gegenseitig und aller Welt versicherten, wie schuldig sie sich fühlten, wohingegen nur wenige der Verbrecher bereit waren, auch nur die geringste Spur von Reue zu zeigen."
Wo bin ich schuldig geworden, was bereue ich?
Samstag, 8. März

Erika Pluhar (*1939)
Sie ist eine österreichische Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Sie nicht der Typ Komödiantin, der es Spaß macht, in immer neue Rollen zu schlüpfen, sich ständig zu verwandeln. Sie muss in eine Figur hineintreten, sich mit ihr identifizieren können. Eine "Volksphilosophin" hat ein Wiener Schriftsteller die Pluhar mal genannt. Eine Volksphilosophin mit dem Bedürfnis, die Welt zu deuten, ohne den Schlüssel zu besitzen. - Aber wer besitzt den schon? Vielleicht ist die Gelassenheit, mit der Erika Pluhar in die Zukunft sieht, das Alter auf sich zukommen lässt, dieser Schlüssel? In ihrem Lied Altern besingt sie "die Schönheit des Bergabgehens / wenn die höchste Steigung überwunden ist ."
Wie lautet mein Lied vom Altern?
Sonntag, 9. März

Margret Thatcher (*1925)
"Wenn du willst, dass etwas gesagt wird, frage einen Mann, wenn du willst, dass etwas getan wird, frage eine Frau."
Montag, 10. März

Christa Wolf (*1929)
Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihr Werk wurde in viele Sprachen übersetzt. 1984 wurde sie Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris.
Anfang der 1990er Jahre wurde bekannt, dass sie von 1959 bis 1962 als IM Margarete beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR geführt worden war. Sie hatte drei Berichte verfasst, die allerdings ein ausschließlich positives Bild der betroffenen Personen zeichneten. Die harte Auseinandersetzung über ihre Stasiverpflichtung in der Presse empfand sie als Abrechnung mit ihrer DDR-Biographie. Sie reagierte darauf körperlich mit Krankheit (dokumentiert u. a. in der Erzählung 'Leibhaftig').
Welche "Leichen" liegen bei mir im Keller?
Dienstag, 11. März

Jil Sander (*1943)
Sie ist eine international bekannte deutsche Modeschöpferin mit Wohnsitz in Hamburg. Sie ist für ihren klaren, zeitlosen aber dennoch eleganten Modestil berühmt. Mode hat viele Gesichter. Sie ist Ausdruck des Vergänglichen, des Wechsels wie der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Kleidung kann ebenso Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein wie Unterwerfung unter ein von Leitfiguren gesetztes Diktat. 1999 verkauft Jil Sander ihr Unternehmen an den italienischen Prada-Konzern und behält nur einen Anteil von 25 Prozent. Danach gingen die Umsätze drastisch zurück. Im Mai 2003 steigt sie wieder ein in die Firma.
Wie gehe ich mit Niederlagen um?
Mittwoch, 12. März

Bärbel Bohley (*1945)
Sie ist eine deutsche Bürgerrechtlerin und Malerin. Bekannt wurde sie als Mitbegründerin des Neuen Forums in der DDR. Zu den Bildern vom Fall der Mauer in Berlin gehören Menschen, die diese Zeit des Aufbruchs und Umbruchs geprägt haben. Unter ihnen eine Frau: Bärbel Bohley. Sie wird als Symbolfigur der unblutigen Revolution in die Geschichte eingehen. Bärbel Bohley stellte dem DDR-Regime unbequeme Fragen zur Einhaltung der Menschenrechte, zur Umwelt, zum Frieden. Als sie gegen ihren Willen in den Westen abgeschoben wird, kehrt sie freiwillig wieder in den Osten zurück, um ihre Landsleute besser unterstützen zu können.
Die einen bewundern sie als mutige Kämpferin für eine gerechtere und menschlichere Welt, die anderen belächeln sie als naive Utopistin und Dilettantin im politischen Geschäft.
Wie abhängig bin ich von der Meinung anderer?
Donnerstag, 13. März

Sarah Wiener (*1962)
In Deutschland geboren, erhielt sie 1966 die österreichische Staatsangehörigkeit. Sie ist Fernsehköchin, Unternehmerin und Restaurantbesitzerin. Sie besitzt weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung. Nachdem sie eine zeitlang in der Küche ihres Vaters Kuchen und Torten gebacken hatte, bekam sie eines Tages die Gelegenheit ein Abendessen mit 19 Gängen zu kochen. Eine Schauspielerin empfahl sie weiter und so gelang der Durchbruch. Zunächst verpflegte sie mit einer mobilen Küche Filmcrews im In- und Ausland. Dann übernahm sie Caterings, Fernsehauftritte folgten usw.
Welchen Menschen habe ich eine Chance gegeben und mich für sie eingesetzt?
Freitag, 14. März

Maybrit Illner (*1965)
Sie ist Journalistin, Fernsehmoderatorin und Autorin. Für ihre Leistung erhielt sie im Jahr 2000 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für kritischen und unabhängigen Fernseh-Journalismus sowie 2003 den Bayerischen Fernsehpreis und 2004 den Deutschen Fernsehpreis für die beste Informationssendung. Der Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik folgte 2006; Illner habe es laut Preisjury verstanden, "die angelsächsische Informationsform des 'Talk' in ein eigenständiges und unverwechselbares Medienereignis" zu verwandeln. Sie versucht in ihren Talks die Euphemismen, die Fassaden und Wortkaskaden zu hinterfragen. Ihr konsequentes Nachhaken zwingt die Politiker konkreter zu werden oder auch mal als Mensch mit seinen Schwächen sichtbar zu werden. Ihr gelingt dies ohne dabei unfair oder verletzend zu werden.
Gelingt es mir mich fair mit anderen kontrovers auseinanderzusetzen oder "gehe ich lieber auf Tauchstation"?
Samstag, 15. März

Seyran Ates (* 20. April 1963)
Sie ist eine deutsche Frauenrechtlerin und Autorin türkisch-kurdischer Herkunft. Als Rechtsanwältin befasste sie sich hauptsächlich mit Strafrecht, Familienrecht und der Integrationsdebatte. Zur Finanzierung ihres Jurastudiums in Berlin arbeitete sie in einem Kreuzberger Frauenladen für türkische und kurdische Migrantinnen, die sich vor der häuslichen Gewalt in ihren Familien schützen wollten. 1984 erschoss während der Beratungszeit ein Mann eine Klientin und verletzte Seyran Ates lebensgefährlich. Der Täter wurde von ihr später als Mitglied und Auftragskiller der faschistischen Grauen Wölfe eingestuft. Wegen Verfahrensfehlern musste der Täter freigesprochen werden und lebt vermutlich immer noch in Berlin. Die Genesung und Heilung von den Folgen des Attentats kosteten sie sechs Jahre ihres Lebens. 1997 konnte sie schließlich ihr zweites Staatsexamen ablegen. Seyran Ates kämpft mit Vorträgen und Veröffentlichungen gegen das Kopftuch (ungeachtet ihrer kopftuchtragenden Mutter), gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde.
Häusliche Gewalt - (k)ein Thema für mich?
Sonntag, 16. März

Ursula Andress (*1936), dt.-schweiz. Schauspielerin
Wichtig ist die Lebensfreude, dann spielt das Alter keine Rolle.
Montag, 17. März

Schirin Ebadi (*1947)
Sie ist eine iranische Juristin und Menschenrechtsaktivistin. Sie erhielt 2003 als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis.
Ebadi versteht sich als demokratische Frau moslemischen Glaubens. Sie setzt sich auf der Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für eine gleichberechtigte Rolle der Frauen im öffentlichen Leben, für die Rechte von Kindern und für eine Justizreform mit unabhängigen Richtern und Anwälten ein.
Menschenrechtsverletzungen wie die Bestrafung durch Steinigung betrachtet sie als Missbrauch der Religion und Fehlinterpretation der Scharia. Sie fordert eine pluralistische demokratische Gesellschaft und lehnt fundamentalistisches Gedankengut ab.
Bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises setzte Ebadi ein Zeichen, indem sie ohne Kopftuch auftrat. Dies begründete sie damit, dass es im westlichen Kulturkreis jeder Frau selbst überlassen sei, wie sie sich kleide. In Iran dagegen trage sie die gesetzlich vorgeschriebene Kleidung für Frauen, da sie sich als Juristin selbstverständlich an die zurzeit geltenden Gesetze halte.
Stehe ich für meine (Glaubens-)Überzeugungen ein?
Dienstag, 18. März

Vera Bohle (* 1969)
Sie ist eine deutsche Fernsehredakteurin und Minenräumerin in Krisengebieten. Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Politik und Geografie. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Fernsehredakteurin.
Aufgrund persönlicher Eindrücke unter anderem nach einer Reise durch Mosambik wechselte sie mit 29 Jahren den Beruf und ging zur Sprengschule in Dresden, um sich in Kampfmittelräumung ausbilden zu lassen. Anschließend nahm sie an mehreren Einsätzen in Krisengebieten in Afrika, Asien und auf dem Balkan teil. Ihre Erlebnisse veröffentlichte sie 2004 in dem autobiographischen Buch "Mein Leben als Minenräumerin". 2002 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. 2005 wurde sie mit dem Soroptimist Peace Prize ausgezeichnet, der an Frauen verliehen wird, die sich in besonderem Maße für den Frieden engagieren.
Wovor fürchte ich mich?
Mittwoch, 19. März

Silvana Koch-Mehrin (*1970)
Sie ist eine deutsche FDP-Politikerin und Unternehmensberaterin. Sie wuchs zunächst in Marokko und dem Sudan auf und verbrachte ihre Schulzeit dann in Köln. Nach dem Studium der Volkswirtschaft und Geschichte ging sie 1997 nach Brüssel. Sie lebt dort einem irischen Rechtsanwalt zusammen und hat drei Töchter. Sie unterhält ein Abgeordnetenbüro in Karlsruhe, in dessen FDP-Kreisverband sie auch Mitglied ist. Seit 1999 gehört sie dem Bundesvorstand der FDP an. Als Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl 2004 führte sie ihre Partei nach zehnjähriger Abstinenz in das Straßburger Parlament zurück.
Bin ich mir meiner politischen Verantwortung als Bürgerin in einer Demokratie bewusst?
Donnerstag, 20. März

Katja Kullmann (* 1970)
Sie ist eine deutsche Autorin. Nach dem Studium der Soziologie, Politikwissenschaften und Amerikanistik in Frankfurt am Main arbeitete sie als Redakteurin bei Prinz, dpa, Bizz, und schrieb u.a. für die FAZ, taz, Emma und Financial Times Deutschland und veröffentlichte mehrere Bücher. Sie schreibt Erzählungen und Sachbücher. Als Essayistin setzt sie sich u.a. mit der Rolle der Frauen über Dreißig auseinander. Ihr Sachbuch "Generation Ally" nimmt im Titel ironisch auf die Fernsehserie Ally McBeal Bezug und thematisiert die Klischees und Lebensentwürfe der modernen Frau, die "weder Karrrieremonster noch Mutter Beimer, und schon gar kein Boxenluder" sein will.
Karrieremutter, Mutter Beimer, Boxenluder - wer bin ich?
Freitag, 21. März

Johanna Kirchner (1889-1944)
Sie war eine deutsche Widerstandskämpferin. Außerdem engagierte sie sich in der kommunalen Wohlfahrtspflege. Mehr als ein Jahrzehnt arbeitet sie im Untergrund, setzt alles daran, Menschen vor dem Zugriff der Gestapo zu retten.
1942 wird sie von der Vichy-Regierung verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. Ihr Todesurteil nimmt sie mit Fassung auf. Ihr Gefängnispfarrer in Plötzensee schreibt ihren Angehörigen: "Sie hat bis zuletzt eine innere und äußere Haltung bewahrt, die beispielhaft war und eine seelische Größe und die ganze Reife ihrer starken fraulichen Persönlichkeit zeigte."
Am Tag ihrer Hinrichtung schreibt Johanna Kirchner an ihre beiden Töchter Lotte und Inge: "Ich gehe tapfer und unverzagt meinen letzten Gang. Und meine letzte große Herzensbitte an Euch ist: seid auch tapfer und unverzagt. Lasst Euch vom Leid nicht niederdrücken, denkt an das große Goethewort: ,Stirb und werde'.
Gott, du bist Herr über Leben und Tod. Hilf mir täglich ein wenig mehr in diese Haltung des ,Stirb und werde" hinein zu wachsen. Amen.
Samstag, 22. März

Ruth Pfau (*1929)
Sie wird 1929 in Leipzig geboren. Mit 22 Jahren lässt sie sich in der Evangelischen Studentengemeinde taufen. Nach ihrem Medizinstudium tritt sie einem katholischen Frauenorden bei. Als Novizin bricht sie nach Stationen in Paris, Köln und Bonn nach Karachi auf. Freunde erklären sie für verrückt, weil sie ein Leben im Elend mit den Armen und Ausgestoßenen, den Leprakranken in Pakistan, einer sicheren Hochschulkarriere in Deutschland vorzieht. Die medizinischen Bedingungen dort spotten jeder Beschreibung. Sie beschließt ein Krankenhaus zur Leprabekämpfung zu errichten und findet schließlich Unterstützung durch MISEREOR. 1996 ist die Lepra in Pakistan erstmals unter Kontrolle.
Was ist mir wichtig genug, dass ich mich mit ganzer Kraft dafür einsetze?
Sonntag, 23. März

Anne Morrow Lindbergh (*1906- 2001)
Sie war die Ehefrau, Co-Pilotin und Navigatorin von Charles A. Lindbergh und Schriftstellerin. Sie ist die meistgeehrte der weiblichen Flugpioniere.1929 machte sie ihren ersten Alleinflug, 1930 ihren Flugschein. Die National Geographic Society ehrte sie 1934 als erste Frau mit der Hubbard Goldmedaille für ihre Forschungsflüge auf allen fünf Kontinenten. 1993 wurde sie mit dem Aerospace Explorer Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Anne Morrow Lindbergh war die erste Frau mit einem Segelflugschein in den Vereinigten Staaten. Sie veröffentlichte insgesamt 13 Bücher und wurde von 5 Universitäten mit Ehrengraden ausgezeichnet.
Was hat mich in meinem Leben bislang den meisten Mut gekostet?
Montag, 24. März

Ines Papert (*1974)
Sie ist Eiskletterweltmeisterin. Papert kommt aus einer musikalischen Familie und spielt auch heute noch Klavier und Saxophon. Nach ihrer Ausbildung als Physiotherapeutin musste sie durch fehlende Arbeitsmöglichkeiten nach Berchtesgaden umziehen und entdeckte erst dort die Leidenschaft zu den Bergen. So war ihre erste Bergtour 1996 die Watzmann-Überschreitung. Bereits nach kürzester Zeit konnte sie den höchsten Berg Amerikas den Aconcagua besteigen. Am 22. August 2000 bekam sie ihren Sohn Emanuel. Im Jahr 2006 gelang ihr der erneute Sieg im Gesamtweltcup mit fünf von fünf möglichen Siegen. In nächster Zeit will sie sich verstärkt dem Expeditionsbergsteigen widmen.
Was habe ich durch Zufall für mich entdeckt?